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Zeitgeist Living Ausgangssperre Tag 27
Curfew Diary

AUSGANGSSPERRE TAG 27

(Werbung aus Leidenschaft)

9:00 Uhr: Boulangerie. Ein älterer Herr schnappt mir das letzte Super-Croissant vor der Nase weg. Menno, der sollte doch eigentlich zu Hause sein, er ist mindestens fünfundsiebzig Jahre alt. Na ich gönne es ihm.

9:03 Uhr: In der anderen Bäckerei bekomme ich immerhin noch zwei Croissants und ein Baguette.
Auf der Straße schreit ein Frau völlig aggressiv herum. Sieht nach fehlenden Drogen aus. Das ist derzeit wohl ein ziemliches Problem. Die Junkies bekommen keinen Stoff, weil es keinen gibt und die Preise ziemlich gestiegen sind. Die Frau ist angsteinflößend aggressiv und trotzdem tut sie mir leid.

10:00 Uhr: Frühstück auf dem Balkon in der Sonne, allerdings heute mit einem ziemlich frischen Wind.

11:00 Uhr: Ich beantworte ein paar Nachrichten und Ostergrüße. Ich freue mich nach wie vor riesig über das Feedback zu meinem Tagebuch. Irgendwie passiert bei uns allen ja zurzeit nicht das Meiste, aber es ist wie Du sagst Barbara: Es verbindet.

11:10 Uhr: Facetime mit meinen Eltern. Die sind Gott sei dank nicht beratungsresistent und bleiben ganz brav zu Hause. Ganz zu Beginn, noch bevor wir in Frankreich die Ausgangssperre bekommen haben, wollten sie eine lang geplante Reise antreten. Ich hatte geredet wie ein Buch, weil ich in der Nacht zuvor gehört hatte, dass einige Länder die Grenzen schließen würden. Aber sie sind dann doch aufgebrochen. Böse Ellis!!! Gott sei Dank sind sie nicht weit gekommen und der Reiseveranstalter hatte dann auch endlich die Reise abgesagt. Am Ende waren sie froh wieder zu Hause zu sein. 🙈

11:20 Uhr: Wir sind spät dran für einen Spaziergang und lassen ihn sausen.

13:30 Uhr: Midi

14:00 Uhr: Telefonieren mit der Schwiegermutter. Ich glaube, sie ist ein bisschen einsam heute. Das tut mir leid. Ich mag meine Schwiegermutter übrigens sehr gut leiden. Wir verstehen uns super. Einigen kennen sie bestimmt noch aus meinem Laden im Sauerland, sie hat mir dort ziemlich oft geholfen.
Sie hat mir am Telefon erzählt, dass heute vor 78 Jahren auch so tolles Wetter war. Das wüsste sie so genau, weil sie Erstkommunion hatte. Und weil das im Krieg war, gab es Stoff für ein Kleid nur auf Zuteilung. Um den Stoff zu bekommen, musste sie sich lange in einem Geschäft anstellen und als sie dran war, war der Stoff ausverkauft. Dann musste sie sich nochmals an einem anderen Geschäft anstellen. Erinnert mich ein bisschen die aktuelle Situation. Nur haben wir es soviel besser. Bei dem Fest meiner Schwiegermutter gab es auch noch Fliegeralarm. Uns geht es wirklich so viel besser.

14:30 Uhr: Ich bearbeite Fotos.
Ich habe auf Madeira Fotos für Jemanden gemacht, die ich aber noch nicht zeigen darf. Wer hier schon länger immer mal vorbeischaut, könnte erahnen worum es geht. Ich liebe die Bilder. Zu dieser Zeit waren wir alle noch so sorglos. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass dies vorerst meine letzte Reise sein könnte. Da kommt ein bisschen Wehmut auf.


(Advertising with passion)

9 a.m.: Boulangerie. An elderly gentleman snatches the last super croissant from under my nose. Menno, he should actually be at home, he’s at least seventy-five years old. Well, I’m begrudging him.

9:03 a.m.: In the other bakery I get two croissants and a baguette.
On the street a woman screams around completely aggressively. Looks like there are no drugs. I guess that’s quite a problem at the moment. The junkies aren’t getting any drugs because there aren’t any and the prices have gone up quite a bit. The woman is fearfully aggressive and yet I feel sorry for her.

10:00 a.m.: Breakfast on the balcony in the sun, but today with a rather fresh breeze.

11:00 a.m.: I answer some messages and Easter greetings. I am still very happy about the feedback on my diary. Somehow not most things are happening with all of us at the moment, but it’s like you say Barbara: It connects.

11:10 a.m.: Facetime with my parents. Thank God they are not resistant to counselling and stay at home. At the very beginning, even before we got the curfew in France, they wanted to start a long planned trip. I had talked like a book because the night before I had heard that some countries would close the borders. But then they did leave. Bad Ellis!!! Thanks god they didn’t get far and the tour operator had finally cancelled the trip. In the end they were happy to be back home.

11:20 a.m.: We are late for a walk and cancel it.

01:30 p.m.: Midi

2:00 p.m.: Phone call to the mother-in-law. I think she’s a little lonely today. I’m sorry to hear that. I like my mother-in-law very much, by the way. We get along great. Some of you probably remember her from my shop in Sauerland. She helped me there quite often.
She told me on the phone that 78 years ago today was also such great weather. She’d know that because she had her confirmation. And because it was wartime, the fabric for a dress was only available on assignment. To get the fabric, she had to queue in a shop for a long time and when it was her turn, the fabric was sold out. Then she had to queue again at another store. Reminds me a bit of the current situation. Only we have it so much better. At my mother-in-law’s party there was an air raid siren. We really feel so much better.

2:30 pm: I’m editing photos.
I took pictures for somebody in Madeira but I am not allowed to show them yet. Those who have been here for a longer time could guess what it is all about. I love the pictures. At that time we were all so carefree. I would never have thought that this could be my last trip for the time being. There’s a bit of nostalgia.

Ich wünsche euch allen Frohe Ostern.
Bisous Tonja

1 Comment

  • Barbara
    13. April 2020 at 17:19

    Liebste Tonja!
    Ich bin schon wieder hier! Und wie immer tut es mir gut!
    Wir hatten heute bedeckten Himmel und auch diesen kühlen Wind. Hatte heute einen totalen Durchhänger, die Depression, der Wetterwechsel??? Fast den ganzen Tag geschlafen, erschöpft! Aaaber: Da bringt mich der Bericht deiner Schwiegermutter wieder in Spur: Wir können alles haben und haben keinen Fliegeralarm! Dankbarkeit, froh darüber sein, dass es uns doch so gut geht, das ist doch herrlich! Und liebe Grüße an deine Eltern: Wir haben alle eine so fürsorgliche Tochter! Wieder was Tolles!
    Du siehst, ich schöpfe hier ganz viele gute Schwingungen und dafür sage ich danke und drücke dich ganz feste und freu mich auf morgen. Gros bisous! Barbara

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