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Zeitgeist Living Ausgangssperre Tag 30
Curfew Diary

AUSGANGSSPERRE TAG 30

Und täglich grüßt das Murmeltier oder nichts Neues aus der „Haft-Anstalt“… So könnte man es ausdrücken. „Haft-Anstalt“ im Übrigen, weil das Google Übersetzungsprogramm das Wort „Confinement“ zu meiner Belustigung gerne mit Haft übersetzt. Das ich Tag 30 mal schreiben werde.. Und nun werde ich auch noch munter weiter Striche in meine Fotos malen.

8:00 Uhr: Boulangerie

8:30 Uhr: Frühstück auf dem Balkon

9:00 Uhr: Kram erledigen

11:00 Uhr: Spaziergang. Ich habe leider immer noch nichts im Internet dazu gefunden, ob die zeitliche Einschränkung für die eine Stunde „physical Fitness“ draußen aufgehoben wurde. Sicherheitshalber halten wir uns weiterhin an die zeitliche Beschränkung. Damit ist von elf bis zwölf die letzte Möglichkeit kurz Luft zu schnappen. Am Abend besteht noch mal von achtzehn bis zwanzig Uhr die Möglichkeit, allerdings ist dann die Sonne weg und es sind alle Unterwegs, die nur nach Feierabend raus können.
Im Gegensatz zu gestern konnte man sich heute draußen wieder normal bewegen. Gestern war ja gefühlt die halbe Stadt zur gleichen Zeit unterwegs. Das war vermutlich eine Frustreaktion auf die weiteren vier Wochen Ausgangssperre. Auf dem Rückweg habe ich meine Eier abgeholt und einen Salat gekauft.

12:30 Midi und Kaffee in der Sonne auf dem Balkon. Mein Gott wie langweilig. Man macht jeden Tag sogar schon zur gleichen Uhrzeit dasselbe. Puhhh, vielleicht fange ich morgen mal mit Wein und Abendessen an, danach kann ich dann auch gleich wieder ins Bett gehen. Wie ist das bei Euch? Auch so eine eingefahrene Kiste?

14:00 Uhr: Ich denke jetzt schon darüber nach was ich zum Abendessen machen könnte und ob ich dafür eventuell noch etwas einkaufen müsste. Die Sache mit den regelmäßigen Mahlzeiten ist für mich zurzeit übrigens eine große Herausforderung. Das nimmt soviel Zeit in Anspruch und versaut einem quasi den ganzen Tag. Bis man nach dem Mittag in der Küche fertig ist, ist auch der Tag gelaufen und dann muss man ja auch schon wieder an den Abend denken. Eine Tiefkühlpizza kommt mir allerdings auch nicht ins Haus und wenn ich zu viel Brot esse, bekomme ich Bauchschmerzen. Also heißt es schnippeln. Oh Mann, das ist echt nicht jedermanns Sache. Ich habe eine Menge Freundinnen, die diesen täglichen Küchendienst hassen und eigentlich doch ganz gerne kochen. Am schlimmsten ist sich ständig was einfallen zu lassen. Klar ich könnte jeden Tag eine andere leckere Pasta machen, aber dann rolle ich am 11. Mai aus meiner „Haft-Anstalt“.
Wie macht ihr das denn? Die Meisten von euch sind das ja gewohnt, oder?

15:00 Uhr: Wir müssen nun schon den ersten Urlaub canceln. Unseren Family-Urlaub auf den wir uns alle so gefreut hatten. Ganz besonders meine Schwiegermutter, denn der Anlass ist immer ihr Geburtstag. Wir Fahren seit einigen Jahren über ihren Geburtstag alle zusammen weg. Geschwister, Nichte, Eltern beziehungsweise Schwiegereltern, so klingt es dramatischer, die ganze Gang. Letztes Jahr hatten wir eine traumhafte Zeit auf Ibiza. Wir hatten für die Zeit ein Haus über eine große Plattform gemietet und sind direkt mal auf die Klappe gefallen. Gott sei Dank ohne finanziellen Verlust, aber ohne gemietetes Haus. Zum Glück hatten wir dann noch das Traumhaus von Shirley (ich berichtete hier) bekommen. Ich berichtete darüber in diesem Post und diesem Post.
Ich muss mich jetzt nur noch die Stornierung für ein Hotelzimmer kümmern und dann ist der ganze schöne Urlaub gecancelt… Habt ihr auch schon Reisen stornieren müssen?

Je mehr Bilder ich mir anschaue, desto trauriger werde ich. Sandra & Yves @fontainedecerier wären diesmal auch ein paar Tage gekommen. 😢

Es ist wie es ist. Bleibt alle Gesund.

So ein Bild hat der Erste am Strand gepostet und kurz danach waren alle da.

Bisous Tonja

2 Comments

  • Lisa
    15. April 2020 at 22:57

    Liebe Tonja,
    ich lese dein Tagebuch sehr gerne. So habe ich das Gefühl wirklich mitzubekommen wie es außerhalb von Deutschland ist/gefühlt wird. Nachrichten möchte ich überhaupt nicht mehr anschauen, das hat mich zu aufgewühlt.

    Ich mache auch jeden Tag das Gleiche und komme gar nicht mehr mit. Erst bin ich in Depression auf der Couch verfallen, dann fand ich den Shut Down entschleunigend und jetzt hätte ich gerne mein altes “normales“ Leben zurück. Wobei ich hier in Deutschland auf höchstem Niveau jammere.
    Ich koche auch jeden Tag und gehe gefühlt ständig einkaufen (Highlight des Tages). Zugenommen habe ich auch schon und verbringe meine Tage vor dem PC sitzend. Wenn ich nicht für die Uni in Videokonferenzen sitze, dann arbeite ich in meinem Nebenjob und arbeite noch auf selbständiger Basis. Nur das hin und her fahren entfällt, die Zeit in UBahn, Auto und Mensa spare ich. Das empfinde ich als sehr positiv. Und schon bin ich wieder hin und hergerissen ob ich “die Haft“ doch als “Zeit Diät“ sehen sollte. Der Anfang ist hart und man will ständig hinschmeißen, aber nach einer Weile läuft es ganz gut und man frägt sich warum man nicht schon früher die Basics des Alltags wahrgenommen hat. Aber ich habe ja auch erst ein paar Wochen in gelockerter Haft hinter mir✌

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    • Tonja
      16. April 2020 at 16:13

      Hallo Lisa, danke erst mal für Deinen ehrlichen Kommentar. Das Du keine Nachrichten mehr schaust ist definitiv eine sehr gute Entscheidung. Davon wird man ganz schön verrückt und Nachrichten sind ja meistens irgendwie negativ. Ich mache es auch so. Ich lese in der Zeitung die Überschriften auf Französisch und dann überlege ich ob ich das lesen will. Tatsächlich träume ich Nachts davon, wenn ich mir zu viel von dem ganzen Kram gebe. Schön das Deine Anfangs-Depression vorüber ist. Und die Waage lasse ich mal schön links liegen. Ganz herzliche Grüße aus der „Haft-Anstalt“ Tonja

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